Hundeschulen – Für und Wider

Jeder Hund sollte eine Hundeschule besuchen. Doch diese zu finden ist nicht immer einfach. „DIE“ Ausbildungsmethode gibt es nicht! Jeder Hund ist und bleibt ein Individuum – genauso wie der jeweilige Hundehalter. Was für das eine Mensch-Hund-Team richtig ist, muss lange nicht für ein anderes Mensch-Hunde-Team richtig sein.

Googelt man das Wort „Hundeschule“, findet man nicht weniger als 720.000 Einträge. Da stellt man sich unweigerlich die Frage: Welche ist die Richtige für meinen Hund und mich?

Die Gefahr, bei der Auswahl der Hundeschule danebenzugreifen, ist nicht unerheblich. Schließlich gibt es bis heute keine gesetzlichen Richtlinien zu diesem Berufsbild. Das bedeutet zwangsläufig: Jeder, der sich berufen fühlt, kann – ganz ohne entsprechende Ausbildung – eine Hundeschule gründen.

 

Dazu kommt leider die Tatsache, dass der Beruf Hundetrainer nicht einheitlich geregelt ist. Es gibt keinerlei gesetzliche Regelung, wie lange eine Trainerausbildung dauern muss, noch über den Lehrinhalt oder eine einheitliche Prüfung – im Gegensatz dazu wird der Hund sehr wohl nach bestimmten Kriterien (Prüfungsordnung) geprüft.

 

Wie aber lässt sich nun die Spreu vom Weizen trennen? Wie unterscheidet man einen seriösen Hundeexperten von einem „selbst erkorenen Hundetrainer“, der nicht selten dauerhafte Schäden in die Beziehung zwischen Hund und Halter bringen kann?

 

Wichtige Kriterien, mit denen man auch als Laie fest­stellen kann, ob eine Hundeschule und ihre Trainer zuverlässig und vertrauenswürdig arbeiten, sind folgende:

 

Verschiedene Hundeschulen haben natürlich auch verschiedene Unterrichtsstile. Zuerst sollten Sie zwischen Schulen unterscheiden, die vermehrt Wert auf Dressur, Erziehung oder Sozialisation legen.

 

Der Unterschied zwischen Dressur und Erziehung liegt in der Natur der Sache

 

Erziehung ist alles was Anstand, Regeln und Zusammenleben anbelangt, sofern es nicht direkt mit Sozialisation zu tun hat.

 

z. B.

vernünftig an der Leine laufen

kleinen Kindern nicht das Essen aus der Hand klauen

nicht pöbeln wenn Frauchen/Herrchen sich für den Spaziergang fertig machen

beim Spaziergang nicht einfach abhauen nur weil irgendetwas furchtbar interessant riecht

 

Dressur sind Kommandos und Tricks die Sie Ihren Hunden beibringen

z. B.

Rolle

Verbeugen

oder alles was Euch sonst noch einfällt

Im Endeffekt ist es das gleiche Prinzip wie einem Seehund beizubringen einen Ball auf der Nase zu jonglieren.

 

Und dann gibt es noch das Zwischending, dass eigentlich in beide Kategorien gehört

• Sitz

• Platz

• Bleib

Absolut notwendig für das tägliche Zusammenleben (genauso wie Leine laufen), aber eigentlich ausreichend um ein glückliches Hundeleben zu führen, wenn der Rest (Rangordnung, Sozialisation, etc.) stimmt. Und in unendlich vielen Varianten ausbaubar.

 

Sozialisation:

 

Bei Hundeschulen, die vermehrt Wert auf Sozialisation legen sollten Sie gemischte Spielgruppen (jung, alt – groß, klein) vorfinden. Es sollte dort über verschiedene Verhaltensweisen und Sprache der Hunde aufgeklärt werden.

 

 

 

1. Der erste Kontakt

Beim ersten Besuch in der Hundeschule sollte sich der Trainer Zeit für eine Einzelstunde nehmen. Zum einen, um sich gegen­seitig kennen zu lernen, zum anderen, um individuell auf Hund und Herrchen eingehen zu können. Nur so kann der Trainer die Bedürfnisse der beiden richtig einschätzen und sie entsprechend einstufen. Ein seriöser Trainer sollte dar­überhinaus über eine fundierte Ausbildung und/oder genügend Praxis­erfahrung verfügen, die er seinen Kunden gerne und unaufgefordert vorweist. Beobachten Sie den Trainer genau, wie er mit Ihrem Hund umgeht. Weicht der Hund vom Trainer zurück, vertrauen Sie Ihrem Hund. In dem Fall sehen Sie sich unbedingt noch weitere Hundeschulen an! Ist Ihr Hund generell bei anderen Menschen sehr vorsichtig und zurückhaltend, geben Sie dem Trainer und Ihrem Hund aber auch Zeit sich kennen zu lernen und beobachten Sie die Entwicklung zwischen den beiden.


2. Das Angebot

Eine gute Hundeschule zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie nicht nur klassischen Einzel- und lukrativen Gruppenunterricht bietet. Auch Hausbesuche und Trainingseinheiten in Alltagssituationen (nur kleine Gruppen), wie etwa ein Stadtausflug, ein Besuch im Kaffeehaus oder im Einkaufszentrum, sollten offeriert werden. Viele Hundehalter können am Hundeplatz Gelerntes im Alltag oft nicht umsetzen. Dies und die Tatsache, dass Hunde oft schlecht generalisieren, lässt das allseits bekannte Phänomen entstehen: Der Hund folgt in der Hundeschule, aber sonst nicht.

Achten Sie auch auf die Möglichkeit, dass die Hunde in den Lernpausen gemeinsamen Spielen und Toben können. Das ist und bleibt die beste Möglichkeit für die Sozialisation der Hunde untereinander, sowie das Beobachten der körperbetonten Hundesprache für die Halter.??? (Ich kapier den Satz nicht – ich blond) (ich auch blond :) stimmt aber. Zu Deutsch: Die Hunde lernen durch das freie Spiel, die Halter lernen durch Beobachten des freien Spiels)



3. Die Unterrichtsgestaltung

Um auf Hund und Halter richtig eingehen zu können, sollte der Gruppenunterricht aus nicht mehr als fünf – zehn Hunden pro Trainer bestehen. Darüber hinaus müssen die Gruppen auf Größe und Entwicklungsstadium der Tiere abgestimmt werden, um etwa Mobbing zu vermeiden. Drill, grobe körperliche Einwirkungen (z. B. Schläge) oder Hilfsmittel wie Würge- und Stachelhalsbänder haben am Hundeplatz absolut nichts verloren. Erziehung steht immer in Verbindung mit Beziehung. Durch beziehungsorientiertes Arbeiten (bitte nicht mit Fixierung verwechseln) kann nachhaltig und vor allem mit Freude (für Hund und Halter) gelernt werden. Achten Sie auf die Übungsvielfalt in den einzelnen Unterrichtsstunden: wenn die Übungen immer wieder in der selben Reihenfolge abgespult werden, merkt man sehr rasch, dass der Hund schon Übungen von sich aus zeigt – er weiß bereits, welche Übung als nächstes kommt. Auch die eher trockenen Unterordnungsübungen können durchaus mit Spaß durchgenommen, an z. B. Rally Obedience, angelehnt, werden. Durch die Herausforderung des Neuen ist der Mensch, wie auch der Hund freudiger bei der Sache. Sie sollten sich überlegen, ob Sie sich für eine Hundeschule entscheiden, die nicht nur mit Rufzeichen, sondern auch mit Sichtzeichen arbeitet, da dies die Konzentration des Hundes fördert. Außerdem bringt die Erarbeitung von Kommandos mit Sicht- und Hörzeichen im Alter vom Hund mitunter Vorteile, wenn er womöglich taub oder blind wird.

 

4. Übersicht über verschiedene Erziehungsarten


Die „Leckerlieschulen“

Sind mittlerweile wohl die weit verbreitetsten Hundeschulen. Hier wird mit „positiver Verstärkung“ = Leckerlie gearbeitet, um so dem Hund rasch „das richtige Tun“ beizubringen. Leider übersehen viele Trainer hierbei, dass sie von den Hundeführern verlangen, dass jedesmal eine gute Leistung mit Leckerlie belohnt wird. Sie übersehen, dass zu häufig mit Leckerlie bestätigt wird. In Wahrheit werden so „Futterautomaten“ für die Hunde herangezüchtet. Die Hunde befolgen meistens ein Kommando, weil sie ihr Futterbröckchen erhoffen, nicht aber, weil sie das Kommando als Wort verstanden haben. Das zeigt sich rasch, wenn von den Hundehaltern bzw. den Hunden ein Kommando in einer ungewohnten Position des Hundeführers verlangt wird (z. B. Hundeführer steht hinter dem Hund und ruft ihn ins Fuss/Grundstellung). Desweiteren wird selten beigebracht, wie Hundeführer das Leckerlie wieder abbauen können, und der Hund trotzdem die gute Leistung erbringt. Das sind dann meisten die enttäuschten Halter in Prüfungssituationen.

 

Die „Zwangerziehung“

Leider gibt es immer noch Hundetrainer, die auf veraltete und nicht mit dem Tierschutzgedanken zu vereinbarende Methoden benutzen. Sollte ein Trainer davon sprechen einen Hund zu brechen, oder ihnen ein Stachelhalsband oder gar Stromhalsband (Teletak) empfehlen, sollten sie mit Ihrem Hund diese Hundeschule verlassen. Auch Schläge haben in der Hundeerziehung absolut nichts zu suchen.

 

Körpersprache, Rudelverhalten, Kommunikation mit dem Hund

Dies ist leider immer noch eine sehr seltene Variante der Hundeerziehung. Bei diesen Schulen steht die Sozialisation und das Verstehen der Hunde im Vordergrund. Es sollte Ihnen dort beigebracht werden, wie Hunde untereinander kommunizieren, warum sie sich wie und wann verhalten und wie sie selbst Körpersprache einsetzen können, um besser mit Ihrem Hund arbeiten zu können und ihm so letztlich ein artgerechteres, glücklicheres Leben schenken zu können.

 

5. Fazit

Wer sich in einer Hundeschule nicht wohl fühlt oder unsicher ist, sollte sich nach einer anderen Hundeschule umsehen. Eine schlechte Hundeschule kann in der Hund-Mensch-Beziehung nachhaltigen Schaden anrichten.



Was Sie keinesfalls zulassen sollten:

Ferndiagnosen.  Ohne Hund, Halter und die Umstände zu kennen bzw. zu hinterfragen, lässt sich eine Situation nicht seriös einschätzen.

Internatsangebote.  Von Trainingscamps ohne das Beisein der Hundehalter ist dringend abzuraten. Denn Hunde lernen beziehungsorientiert. Der Hund folgt dann im Besten Fall dem dortigen Trainer und vielleicht auch eine kurze Zeit Ihnen aber dauerhaften Erfolg werden Sie so nicht erreichen.

Strafreize.  Finger weg von Schulen, die mit Gewalt, psychischem Druck oder Hilfsmitteln wie Würge- oder Stromhalsbändern arbeiten.