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Grundüberlegungen vor Anschaffung eines Hundes

Was ist ihr Haustier für Sie? – Ein Freund, ein Partner, ein Spielkamerad, das Baby, Ihr Ego? Wir könnten die Liste beliebig erweitern. Tiere sollen heutzutage viele Lücken füllen. Sozialpartner, die vermisst werden, werden mit Haustieren ersetzt. Der Markt boomt. In jedem zweiten Haushalt gibt es Haustiere. Und ja, wir lieben unsere Tiere. Wir sind wohl die tierfanatischste Nation der Welt.

Wir können wirklich stolz auf uns sein. Wir unterstützen Tierschutzorganisationen in Deutschland und weltweit. Wir kaufen Eier von „glücklichen“ Hühnern, wir essen weniger Fleisch (vor allem seit BSE), Deutsche Tierschützer kämpfen mit vollem Einsatz gegen Tiertransporte und für eine Verbesserung des Tierschutzgesetzes. Vergessen wir auch nicht die vielen geretteten Tiere, die jedes Jahr aus dem Urlaub mit nach Hause genommen werden. Ja, alles in allem, versuchen wir wohl alles, um unsere Tiere glücklich zu machen. – Doch sind sie es?

 

Es gibt Hütehunde,  Herdenschutzhunde, Jagd- und Laufhunde, Wachhunde, etc. nur den Familienhund per se gibt es nicht. Deswegen ist es unerlässlich, dass man sich vor der Anschaffung eines Hundes sehr genau überlegt, welche Kategorie Hund eigentlich ins eigene Leben passt, und ob man diesem Hund überhaupt gerecht werden kann.

Mischlinge

 

1. Hütehunde sind ursprünglich von Hirten zum Hüten von Nutztieren eingesetzte Hunde. Ihre Aufgabe besteht darin, die Herde zusammenzuhalten.

 

Da heutzutage die wenigsten Menschen noch Herden von Nutztieren halten, sucht sich der Hund rasch eine Ersatzherde: sein Menschenrudel.

Man sollte sich also darauf einstellen, dass ein Hütehund immer versucht, etwas oder jemanden zu hüten.

 

Diese Hunde sind im allgemeinen überdurchschnittlich intelligent, lernfreudig und/aber neigen je nach Rasse auch zur Hyperaktivität.

 

Man sollte sich also darüber im Klaren sein, dass man sich mit einem Hütehund einen Hund anschafft, den man sowohl geistig als auch körperlich auslasten muss um ihm gerecht werden zu können.

 

Beispiele für Hütehunde: Border Collie, Australian Shepherd, Kelpie

 

2. Herdenschutzhund

Während der Hütehund rein zum treiben/zusammenhalten der Herden gebraucht wurden, wurden Herdenschutzhunde wirklich für den Schutz der Herden vor natürlichen Feinden wie Wölfen benutzt. Je nach Rasse arbeiten diese Hunde autonom, ohne den Menschen zu benötigen. Deshalb sind diese Hunde auch mit Konsequenz (nicht Härte) zu führen und nicht unbedingt für Anfänger geeignet.

Der Herdenschutzhund wird also im Zusammenleben mit dem Menschen nicht nur versuchen zu hüten sondern auch eher dazu neigen seine "Herde" zu beschützen.

 

Beispiele für Herdenschutzhund: Kangal, POD, Ovtcharka, Kuvasz

Kleine Anmerkung: Auch der Collie fällt eigentlich unter die Kategorie Herdenschutzhund

 

 

3. Jagd- und Laufhunde

Als Jagdhund wird ein Hund bezeichnet, der dem Menschen – in der heutigen Zeit dem Jäger – im weitesten Sinne als Gehilfe bei der Jagd dient.

Das trifft sowohl für die Jagd zu, wie sie heute in unseren Wäldern z. B. auf Rehe, etc. betrieben wird, aber auch auf Großkatzen und Wölfe etc.

 

Unterschieden werden muss zwischen Hetzjagd, Schweißarbeit und Apportieren.

Beagles beispielsweise jagen traditionell in der Meute bei der Fuchsjagd. Der bayerische Gebirgsschweißhund wie schon der Name sagt, jagt allein, ohne andere Hunde, indem er der Spur nachgeht und aufstöbert. Das Apportieren wird hauptsächlich für die Jagd auf Flugtiere benötigt. Hierfür werden beispielsweise Münsterländer eingesetzt, um den geschossenen Vogel aus dem Unterholz oder dem Wasser zu apportieren.

Fast kein Hundehalter geht heute noch auf die Jagd. Man muss sich also vor Anschaffung eines Jagdhundes sehr genau überlegen womit man den Jagdtrieb kompensiert. Die Kompensation sollte unter kompetenter Anleitung und großer Konsequenz erfolgen, damit nicht Nachbars Katze zum Jagdobjekt wird.

 

Beispiele für Jagdhunde: Jack Russel Terrier, Golden Retriever, Labrador, Magyar Viszla

 

 

Laufhunde

Diese Hunde sind im Allgemeinen sehr lauffreudig und nasenstark. Sie eignen sich gut für die verschiedensten Hundesportaktivitäten wie Dogtracking oder Jöring brauchen aber wie alle anderen Kategorien eine feste Rangordnung.

 

Beispiele für Laufhunde: Husky, Beagle, Dalmatiner, Windhundarten

 

4. Wachhunde

Wachhunde bewachen bebaute- und unbebaute Grundstücke und ihr Rudel. Sie zeigen Eindringlinge durch Verbellen an. Wer sich einen Wachhund ins Haus holt, muss sich bewusst sein, dass z. B. Nachbarn, verbellt werden. Man kann das Bellen in erträgliche Bahnen lenken, ganz wird man es ihm aber nicht austreiben können.

Wichtig ist bei der Haltung eines ursprünglichen Wachhundes, die Rangordnung klarzustellen. Bei falscher Rangordnung kann ein Wachhund sich eventuell nicht mehr mit Bellen zufrieden geben, und es kann zu Beißunfällen kommen. Daher ist es unbedingt notwendig eine klare Rangordnung beizubehalten.

 

Beispiele: Deutscher Schäferhund, Spitz, Bernhardiner

 

Mischlinge haben natürlich die Eigenschaften der verschiedenen Ausgangsrassen in sich vereint. Es variiert natürlich, je nachdem welcher Charakter durchschlägt: so kann in einem Wurf der eine Golden Retriever-Spitz-Mix sehr wachsam sein, der andere ist ein geborener Apportierer.

 

Wie die Wahl des richtigen Hundes einer Überforderung des Hundehalters vorbeugt

Wenn man sich die oben aufgeführten Hundekategorien näher anschaut, wird man feststellen, dass nicht jeder Hund in jedes "menschliche" Leben passt.

 

Ist man selber sehr aktiv eignet sich natürlich ein aktiver Hund wie in Hüte- u. Jagdhundkategorie beschrieben eher als ein ruhiger Bernhardiner. Umgekehrt eignet sich ein Jack Russel, der viel Beschäftigung braucht nur bedingt für jemanden, der es eher ruhig mag.

 

Man sollte sich also als erstes darüber klar werden, wie man denn die nächsten 10-15 Jahre mit seinem Hund verbringen möchte.

Dafür ist es nötig sich selbst kritisch zu hinterfragen ... sich einen Laufhund anzuschaffen, damit man mehr läuft ist sicher der falsche Weg.

Ist man hierbei ehrlich zu sich selbst, und sucht man sich einen Hund nach seinen eigenen Charaktereigenschaften aus, ist es auch wesentlich leichter dem zukünftigen Hund gerecht zu werden.