Pro und Kontra/Hintergrundberichte

Man sollte vielleicht die Hintergründe zu dieser Jagd auf unbescholtene Bürger wissen:

Apollo, ein Staffordshire Terrier, wurde am 20. Februar 2001 in Dortmund erschossen

Die Geschichte von seinem qualvollen Tod: Apollo war 3 Jahre alt und seine Welpen- und Junghundezeit, zumindest die ersten 2 Jahre, verbrachte er bei seinem zweiten Besitzer, Peter Müller, der ihn aus dem Tierheim geholt hatte, wo er zu diesem Zeitpunkt arbeitete.

Apollo wuchs mit einem Chihuahua und einem 2 jährigen Kind auf. Wegen Schwierigkeiten mit dem Vermieter, bzw. wegen einer neuen Wohnung, wurde Apollo abgegeben an eine junge Frau. Die Frau wiederum hat Apollo 6 Monate später einem 62 Jahre alten Mann übergeben, der wohl der Schwiegervater sein soll und alles andere als ein verantwortungsbewusster Hundehalter war. Dieser Mann ging morgens zusammen mit Apollo in die Kneipe. Nach einiger Zeit merkte er, dass Apollo nicht mehr in der Kneipe war, sondern sich davon gemacht hatte, und er machte sich dann auf den Weg, ihn zu suchen.

Als er ihn dann 200m Luftlinie von der Kneipe entdeckte, wurden auch schon die ersten Schüsse auf Apollo abgegeben, der Mann zog es dann vor, sich schnell aus dem Staub zu machen.

 

Der Hergang hat sich folgendermaßen abgespielt:

Apollo schnappt sich Charlie (einen Kavalier King Charles Spaniel) und schmiss ihn einmal in die Luft, ließ ihn wieder auf dem Boden aufkommen und legte sich dann auf bzw. über ihn. Frau Clara S. die Besitzerin von Charlie, rief zwischendurch immer wieder "Charlie aus....Tod" und sie glaubte tatsächlich, das ihr Charlie jetzt tot sei oder sich zumindest tot stellte. In dieser Haltung (Apollo lag auf Charlie) blieb er dann über 25 Min. liegen. In dieser Zeit klopfte die Besitzerin von Charlie an ein Fenster, das zu einem Büro gehört und worin Herr Martin S. arbeitete. Diesem erzählte sie, dass ihr Charlie von einem Kampfhund angegriffen wurde und jetzt wahrscheinlich tot sei, und genau diesen Satz hat Herr S. auch um 9.47 Uhr der Polizei gesagt, die er angerufen hatte (kein Wort von besonders aggressiven Kampfhund, wie es die Polizei hinterher erzählte).

Als der erste Streifenwagen ankam und dieser 10 Meter Luftlinie von Apollo entfernt war, wurde sofort das Feuer auf ihn eröffnet. (also aus dem fahrenden Auto). Apollo sprang weg und Charlie lief wieder zu seinem Frauchen.

Insgesamt wurden 8 Schüsse abgefeuert, aber nur 5 Wirkungstreffer erzielt.

Soweit also dieser Vorfall. Oder sollte man besser Massaker dazu sagen?

Apollo hat keinen Menschen angegriffen, auch nicht, als man auf ihn schoss. Er hat "nur" einen anderen Hund gepackt. Vielleicht ein Dominanzverhalten. Vielleicht wollte er auch nur wieder einen kleinen Hund für sich haben (und ließ deshalb nicht wieder los), wie er es von früher kannte. Tatsache aber ist, dass 8 mal auf Apollo geschossen wurde, aber nur 5 mal getroffen wurde. Warum wurde der Hund dann nicht mit einem weiteren gezielten Schuss erlöst?

Warum darf die Polizei in einem Wohngebiet zwischen zwei Hauptstraßen "Wild West" spielen?

Nur weil ein Hund einen anderen Hund angegriffen hat, was ja überall und ständig passiert!

Apollos Pech war, dass er der "verkehrten" Rasse angehörte und einen verantwortungslosen Besitzer hatte, der ihn auch noch im Stich ließ.

Die Hundeverordnungen und -gesetze schützen die Bürger vor gefährlichen Hunden.

Solange Hundeverordnungen von der Gefährlichkeit bestimmter Rassen ausgehen, verfehlen sie den Kern der Sache.

Sie suggerieren, dass die Verringerung des Bestandes oder die Ausrottung bestimmter Hunderassen die Gefährdung der Bürger durch Hunde wesentlich verringern würde. Es gibt aber keine gefährlichen Hunderassen und umgekehrt - es kann bei jeder Hunderasse gefährliche Vertreter geben.

Und jeder gefährliche Hund ist Produkt eines unwissenden oder gefährlichen Halters.

Wenn man hier weiteres gesetzgeberisches Handeln überhaupt für notwendig hält, muss man es am oberen Ende der Leine ansetzen.

Jedenfalls wäre es sinnvoll, wenn eine Verordnung, die vor gefährlichen Hunden schützen soll, die Haltung von tatsächlich gefährlichen Hunden regeln würde, statt die Haltung von Hunden, deren Gefährlichkeit der "Gesetzgeber" unwiderlegbar vermutet.

"Unwiderlegbare Vermutung" ist sicher eine treffende Beschreibung dessen, was man unter einem Vorurteil versteht, und so hat (z.B. in Bayern und Hamburg) das Vorurteil explizit Eingang in die Gesetzgebung gefunden.